© 2019  LITERATUR IN OTTOBEUREN

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peter handke. foto: © donata wenders.

foto: © donata wenders

Nobelpreisdebatte um Peter Handke.

Nicht schuldig im Sinn der Anklage?

Seit Peter Handke den Literaturnobelpreis gewonnen hat, wird heftig um ihn und sein Werk gestritten

Kurz vor der Preisübergabe  des Literaturnobelpreises am 10. Dezember 2019 hat sich Schriftsteller Peter Handke ausführlich zu seiner umstrittenen proserbischen Haltung während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien geäußert. 

Ihm sei es um "Gerechtigkeit für Serbien" gegangen... "Wie konnte Deutschland Kroatien, Slowenien und Bosnien-Herzegowina anerkennen, wenn auf dem Gebiet mehr als ein Drittel orthodoxe und muslimische Serben lebten? So entstand ein Bruderkrieg, und es gibt keine schlimmeren Kriege als Bruderkriege."..."Die Berichterstattung über Serbien sei damals einseitig gewesen." Das sei der Grund 

gewesen, so Handke, weshalb er sich mit Serbien solidarisiert habe. So sein Statement. Er habe niemals Sympathien für Milosevic geäußert: "Ich habe mich keinen Augenblick verbeugt, weder innerlich noch äußerlich." Denn natürlich sei auch der Künstler dazu angehalten, ethisch zu handeln, so Handke in der "Zeit": "Ein Schriftsteller sollte ein guter Mensch sein. Das gelingt nicht immer, leider." Mit diesem kurzen Statement stellt sich Handke auch gegen jene, die in der Diskussion um die Verleihung des Literaturnobelpreises die Meinung vertraten, bei der Auszeichnung werde nicht der Mensch, sondern der Schriftsteller ausgezeichnet. Eine Unterscheidung, die Handke selbst so offenbar nicht treffen will.

Bild von Michael Gaida auf Pixabay 

Peter Handke wird am 6. Dezember 1942 in Griffen (Kärnten) geboren. Die Familie mütterlicherseits gehört zur slowenischen Minderheit in Österreich; der Vater, ein Deutscher, war in Folge des Zweiten Weltkriegs nach Kärnten gekommen. Zwischen 1954 und 1959 besucht Handke das Gymnasium in Tanzenberg (Kärnten) und das dazugehörige Internat. Nach dem Abitur im Jahr 1961 studiert er in Graz Jura. Im März 1966, Peter Handke hat sein Studium vor der letzten und abschließenden Prüfung abgebrochen, erscheint sein erster Roman Die Hornissen. Im selben Jahr 1966 erfolgt die Inszenierung seines inzwischen legendären Theaterstücks Publikumsbeschimpfung in Frankfurt am Main in der Regie von Claus Peymann.

Seitdem hat er mehr als dreißig Erzählungen und Prosawerke verfaßt, erinnert sei an: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1970), Wunschloses Unglück (1972), Der kurze Brief zum langen Abschied (1972), Die linkshändige Frau (1976), Das Gewicht der Welt (1977), Langsame Heimkehr (1979), Die Lehre der Sainte-Victoire (1980), Der Chinese des Schmerzes (1983), Die Wiederholung (1986), Versuch über die Müdigkeit (1989), Versuch über die Jukebox (1990), Versuch über den geglückten Tag (1991), Mein Jahr in der Niemandsbucht (1994), Der Bildverlust (2002), Die Morawische Nacht (2008), Der Große Fall (2011), Versuch über den Stillen Ort (2012), Versuch über den Pilznarren (2013). 

Auf die Publikumsbeschimpfung 1966 folgt 1968, ebenfalls in Frankfurt am Main uraufgeführt, Kaspar. Von hier spannt sich der Bogen weiter über Der Ritt über den Bodensee 1971), Die Unvernünftigen sterben aus (1974), Über die Dörfer (1981), Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land (1990), Die Stunde da wir nichts voneinander wußten (1992), über den Untertagblues (2004) und Bis daß der Tag euch scheidet (2009) über das dramatische Epos Immer noch Sturm (2011) bis zum Sommerdialog Die schönen Tage von Aranjuez (2012) zu Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße (2016).

Darüber hinaus hat Peter Handke viele Prosawerke und Stücke von Schriftsteller-Kollegen ins Deutsche übertragen: Aus dem Griechischen Stücke von Aischylos, Sophokles und Euripides, aus dem Französischen Emmanuel Bove (unter anderem Meine Freunde), René Char und Francis Ponge, aus dem Amerikanischen Walker Percy.

Sein Werk wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Die Formenvielfalt, die Themenwechsel, die Verwendung unterschiedlichster Gattungen (auch als Lyriker, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur ist Peter Handke aufgetreten) erklärte er selbst 2007 mit den Worten: »Ein Künstler ist nur dann ein exemplarischer Mensch, wenn man an seinen Werken erkennen kann, wie das Leben verläuft. Er muß durch drei, vier, zeitweise qualvolle Verwandlungen gehen.«

2019 wurde Peter Handke mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

 

Verlagsinformationen

"Gehen Sie nach Haus mit Ihrer Betroffenheit, stecken Sie sich die in den Arsch!"

Ein Roman? Eine Legende? Eine Erzählung? Eine Meditation? Eine innere Sammlung? Eine Beobachtung? Eine Reflexion?

Eine Geschichte , nichts weiter wird hier erzählt. Eine Handlung in Form von „nacherzählbaren“ Ereignissen nämlich finden sich in diesem Buch nicht. 

Peter Handkes Buch „Die Obstdiebin“ ist eine Geschichte über eine „einfache Fahrt ins Landesinnere“, bei der es immer wieder zu skurrilen Begegnungen kommt. Der Erzähler oder schlicht Peter Handke ist stets dabei: Mit seiner Sprachkunst, seinem Sinn fürs Detail und seinen Manierismen.

Als das "Letzte Epos" (mit großem "L") hat Peter Handke seinen neuen Roman bezeichnet. Mit der Niederschrift begann er am 1. August 2016: "Diese Geschichte hat begonnen seinerzeit an einem jener Mittsommertage, da man beim Barfußgehen im Gras wie eh und je zum ersten Mal im Jahr von einer Biene gestochen wird." Dieser Stich wird, wie der Autor am 2. August festhält, zum "Zeichen". "Ein gutes oder ein schlechtes? Weder als gutes noch als ein schlechtes, gar böses - einfach als ein Zeichen. Der Stich jetzt gab das Zeichen, aufzubrechen. Zeit, daß du dich auf den Weg machst. Reiß dich los von Garten und Gegend. Fort mit dir. Die Stunde des Aufbruchs, sie ist gekommen."Die Reise führt aus der Niemandsbucht, Umwegen folgend, sie suchend, in das Landesinnere, wo die Obstdiebin, "einfache Fahrt", keine Rückfahrt, bleiben wird, oder auch nicht? Am 30. November 2016, dem letzten Tag der Niederschrift des Epos, resümiert Peter Handke die ungeheuerlichen und bisher nie gekannten Gefahren auf ihrem Weg dorthin: "Was sie doch in den drei Tagen ihrer Fahrt ins Landesinnere alles erlebt hatte: seltsam. Oder auch nicht? Nein, seltsam. Bleibend seltsam. Ewig seltsam."

[Quelle: KNO]

Fazit:

Man muss viel Geduld mitbringen für diesen Text. Sehr viel. Er ist nicht mehr ganz von dieser Welt, dieser Erzähler.

 

Mit seinen legendären "Publikumsbeschimpfungen" und der "Angst des Torwarts vor dem Elfmeter" sorgte Peter Handke in den 60er-Jahren für Furore. 

 

Seine Werke erfahren immer starke Aufmerksamkeit, werden glorifiziert. Aber auch angegriffen. 

 

Es ist sicherlich geboten, dass ein Dichter polarisiert. Sein poetischer Raum bleibt für viele Leser verschlossen. Handke hält sich für unangreifbar. Handke macht also nach wie vor, was man von ihm kennt: Er versetzt jederzeit all das, was man ihm an politischer obskurer und suspekter Fragwürdigkeit vorwirft, in einen poetisch überhöhten Vorstellungsraum. Das ist sein gutes Recht. Das Recht eines Künstlers.

 

Es wird hoch hergehen im Rahmen der Verleihung des Literaturnobelpreises. Bekommt er ihn zu Recht? Ja wie ich meine. Sowohl als Poet, wie auch als Mensch. 

Unseligerweise werden gegenwärtig alle Vorgänge - politische, kulturelle, gesellschaftliche - einerseits von absolutistischen Befürwortern und andererseits von cäsarischen Antagonisten kommentiert. Unbelehrbar. Borniert. Schulmeisterlich. Starr. Hasserfüllt. Unversöhnlich.

gerne können sie diesen titel über OSIANDER direkt bestellen und nach hause liefern lassen. mit einem  click auf das cover.

Die Obstdiebin

Auflage: 2. Aufl.

559 Seiten

Autor: Peter Handke

Reihe: suhrkamp taschenbuch (4950)

ISBN 9783518469507