meine empfehlungen für den sommer.

können androiden moralischer sein als menschen?

der neuer roman von ian mcewan ist wie bei all seinen werken  immer ein literarischer markstein.der britische autor versteht es wie kaum ein anderer, in seine fesselnden und lebendigen geschichten wesentliche positionen zum aktuellen zeitgeschehen einfließen zu lassen.

maschinen wie ich

adam, charie und miranda leben zusammen in london. jedoch ist adam ein android. ian mcewan behandelt mit „maschinen wie ich“ die aktuellen fragen zur künstlichen Intelligenz. fluch und segen?

charlie hat eine große vorliebe für alles technische. mit seinem erbe erfüllt er sich einen langgehegten wunsch und erwirbt adam, einen der ersten androiden. um seiner partnerin näher zu kommen, bezieht er sie in seine programmierarbeiten mit ein, d.h. sie legt die hälfte von adams persönlichkeitsmerkmalen fest. bald hat er es jedoch mit einem moralisierenden rivalen, statt einer willenlosen maschine zu tun. dies bringt nicht nur ihn zum nachdenken, sondern auch an seine grenzen.

adam ist eine intelligenzbestie mit literarischem feingefühl und sexuellen bedürfnissen, gern willigt er ein, als miranda lust verspürt, mit ihm zu schlafen. der liebenswerte roboter und perfekte liebhaber hat nur ein problem: er besitzt sehr hohe 

moralische standards und ambitionierte ethische prinzipien: er duldet kein unrecht die gesellschaft kann für ihn nur funktionieren, wenn rechtsbrüche und fehltritte gesühnt und bestraft werden.

ian mcewan nimmt sich seit einigen jahren mit jedem neuen romanprojekt ein anderes schwerpunktthema vor:

 

  • klimaforschung 

  • rechtsprechung 

  • religion 

 

mcewan recherchiert ausführlich und entwirft einen moralischen konflikt vor dem hintergrund einer sachkundig ausgeleuchteten gegenwart. 

all da zu verlieren

leïla slimani gilt seit ihrem 2014 veröffentlichten debütroman 'dans le jardin de l’ogre' als die neue weibliche stimme der französischen literatur. sie ist 38 Jahre alt, geboren in marokko, lebt in frankreich und sie schreibt hemmungslos. Ihre bücher waren alle bestseller. Insbesondere für den psychothriller "dann schlaf auch du"über ein mordendes kindermädchen ist sie mit dem wichtigen literaturreis prix goncourt ausgezeichnet worden.

nach außen hin führt adèle ein leben, dem es an nichts fehlt. sie arbeitet für eine pariser tageszeitung, ist unabhängig. mit ihrem ehemann, einem chirurgen, und ihrem kleinen sohn lebt sie in einem schicken viertel, ganz in der nähe von montmartre. sie reisen, sie fahren übers wochenende ans meer. dennoch macht adèle dieses leben nicht glücklich. gelangweilt eilt sie durch die grauen straßen, trifft sich mit männern, hat sex mit fremden. sie weiß, dass ihr die kontrolle entgleitet. sie weiß, dass sie ihre familie verlieren könnte. trotzdem setzt sie alles aufs spiel.

unerhörte stimmen

eine prostituierte steht im mittelpunkt des romans „unerhörte stimmen“ der türkischen schriftstellerin elif shafak. wie so oft wird sie dafür in der türkei teilweise angefeindet und juristisch verfolgt.

so sehr leila es auch dreht und wendet: sie wurde ermordet.wie konnte es zu dieser tat kommen? fieberhaft denkt sie zurück an die schlüsselmomente ihres aufreibenden lebens, an den geschmack von gewürztem ziegeneintopf aus ihrer kindheit, an den gestank der straße der bordelle, wo sie arbeitete, und den geruch von kardamomkaffee, den sie mit einem jungen mann teilte, der zu ihrer großen liebe wurde.

 

elif shafak erzählt in ihrem neuen roman von einer frau, die am rand der gesellschaft halt sucht, wo freundschaften tief sind, aber das glück flüchtig.

[quelle: kno]

  • Facebook
  • Twitter

© 2019 by lio | literatur in ottobeuren